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Erfolg mit Innovation, Qualität und Service

| Rédacteur: Benza Banjac

Die Situation der Zulieferbetriebe der Schweizer MEM-Industrie hat sich durch die Globalisierung stark verändert. Was braucht es, um auch zukünftig in der globalisierten Welt erfolgreich zu sein? Oliver Müller, Geschäftsführer des Branchenvebands Swissmechanic, versucht, im Interview mit dem SMM Antworten zu geben.

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"Die kleinen und mittleren Betriebe leisten hervorragende Arbeit und bestechen durch Innovation, Qualität und Service."
"Die kleinen und mittleren Betriebe leisten hervorragende Arbeit und bestechen durch Innovation, Qualität und Service."
(Bild: Swissmechanic)

Die Bedeutung der Zulieferer in der Schweiz nimmt angesichts der steigenden Globalisierung stetig zu, dennoch ist es schwer, die Zulieferindustrie zu definieren und volkswirtschaftlich einzuordnen. Obwohl es sich um eine relevante Sparte der Industrie handelt, sind in der Schweiz keine detaillierten und branchenübergreifenden Statistiken verfügbar. Ein Blick auf die MEM-Branche, einen Teilbereich der verarbeitenden Schweizer Industrie, lässt jedoch erahnen. wie gross der Zuliefer-Sektor sein könnte. Ausgehend von der MEM-Branche, sind wahrscheinlich rund ein Viertel im Industriesektor tätige Unternehmen ganz oder teilweise als Zulieferer zu verstehen. Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) ist innerhalb der national verarbeitenden Industrie mit einem Anteil von rund 58 Prozent eine zentrale Industrie. Sie beschäftigt rund 10 % der Schweizer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und erwirtschaftete 2012 rund 9,2 Prozent der Schweizer Wertschöpfung. Die MEM-Branche exportierte Güter im Wert von rund 64,6 Milliarden Franken und gehört somit zu den grössten Schweizer Exportbranchen. Rund 80 Prozent der Produkte und Dienstleistungen aus der MEM-Industrie werden direkt oder indirekt exportiert.

KMU-Zulieferer der MEM-Branche

Die KMU der MEM-Branche sind im Arbeitgeber-, Fach- und Bildungsverband Swissmechanic zusammengeschlossen, in dessen Reihen sich traditionell ein hoher Anteil an Zulieferfirmen vereint. Rund 57 Prozent der Swissmechanic-Firmen beschäftigen zwischen 5 bis 50 Mitarbeitende und gehören somit zu den klassischen Vertretern der KMU-Branche, die auf gute Rahmenbedingungen auf dem Werkplatz Schweiz angewiesen sind. Viele von ihnen verfolgen national oder international konsequent und erfolgreich eine Nischenstrategie. So entstehen qualitativ hochstehende Produkte und Dienstleistungen als Teil der Zulieferindustrie. In der jährlichen Umfrage von Swissmechanic bezeichnen sich Anfang 2013 rund 40 Prozent aller Mitglieder ganz oder teilweise als Zulieferer. Diese sind jeweils auf ganz bestimmten Wertschöpfungsebenen aktiv, wie zum Beispiel mit der Produktion von Einzelteilen, Komponenten oder Subsystemen. Die Swissmechanic-Zulieferer sind grösstenteils auf eine Branche spezialisiert und verkaufen ihre Produkte und Dienstleistungen an andere produzierende oder gewerbliche Firmen. Sie liefern End- oder Halbfabrikate.

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Interview mit Oliver Müller, Geschäftsführer Swissmechanic

SMM: Herr Müller, seit Anfang 2013 sind Sie Geschäftsführer des Swissmechanic. In welcher Verfassung zeigen sich Ihre Mitglieder aktuell?

Oliver Müller: Von aussen betrachtet zeigt sich auf den ersten Blick ein positives Bild. Unsere Mitglieder konnten den Krisenjahren und der darauffolgenden Stärke des Schweizer Frankens gut trotzen. Leider ist dies nur ein Teil der Wahrheit, denn der zweite Blick verrät, dass es immer ungemütlicher wird. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssten viele die Kosten teils massiv senken, was aufgrund der Lohnkosten nicht möglich ist. Der Druck auf die Margen nimmt stetig zu und die administrativen Belastungen durch Verordnungen und Abgaben steigt. Auch wenn gerade die KMU-MEM flexibel auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren können, sind sie wegen hohen Anteilen an direkten und indirekten Exporten abhängig von der internationalen Konjunktur und die erholt sich leider nur langsam. Von unseren Mitgliedern wird derzeit viel – teilweise zu viel – abverlangt und das wird auf absehbare Zeit so bleiben.

Wir präsentieren diese Ausgabe im gesamten deutschsprachigen Raum. Wie konkurrenzfähig schätzen Sie die Schweizer Zulieferer gegenüber ihren Mitbewerbern aus Deutschland und Österreich ein?

O. Müller: Die oben skizzierten Rahmenbedingungen machen es schwierig; insbesondere die Lohnkosten lassen die Schweizer Zulieferer grundsätzlich ins Hintertreffen geraten. Auch beim Einkauf sehen wir klare Nachteile für Schweizer Produzenten. Dennoch behaupten sich viele erfolgreich im Markt, was mich immer wieder beeindruckt. Schweizer Qualität ist ein gefragter Wert, darum ist es wichtig, diesen so hoch wie möglich zu halten und mit ausreichend Fachkräften weiterzuentwickeln.

Wo liegen konkret die Stärken der Schweizer?

O. Müller: Die Verlässlichkeit und die nachhaltige, umfassende Qualität sind die hervorragenden Schweizer Werte. Vor einigen Jahren musste man erkennen, dass die Massenproduktion in unserem Land zu teuer wurde. Unternehmen haben deshalb vermehrt ihre Produktion ins Ausland verlegt. Was vielerorts bleibt, ist der Kern, ist die Forschung und Entwicklung sowie die Spezialisierung. Die kleinen und mittleren Betriebe in den Gewerbezonen und Dörfern leisten hervorragende Arbeit und bestechen durch Innovation, Qualität und Service.

Um die Medizintechnik ist es in den letzten beiden Jahren etwas ruhiger geworden. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

O. Müller: Auch hier hat die Finanzkrise 2008 grosse Spuren hinterlassen. Seither hat sich das einst enorme Umsatzwachstum massiv verringert und auch hier stehen die Margen unter Druck. Kommt hinzu, dass insbesondere die Zulieferer immer mehr Vorgaben der Hersteller erfüllen müssen, natürlich mit entsprechendem Mehraufwand. Im Gesundheitssektor wird zudem gespart, was sich ebenfalls direkt auf die Branche auswirkt.

Ein Erfolgsfaktor der Schweizer MEM-Unternehmen sind die gut ausgebildeten Arbeitskräfte. Hier ist die Struktur des Schweizer Ausbildungs-Systems hervorzuheben – Stichwort die Duale Ausbildung. Welche Rolle spielt sie aus Ihrer Sicht am Erfolg der Schweizer Industrie?

O. Müller: Es wurde in letzter Zeit viel geschrieben. Und es dürfte von mir aus noch mehr geschrieben werden, denn wir können nicht genug betonen, wie wichtig gut ausgebildete Arbeitskräfte für unsere Branche sind. In der KMU-MEM-Branche herrscht bekanntlich ein Mangel an Fachkräften; diesem Trend müssen wir vehement entgegentreten. Ich möchte klar festhalten, dass das Duale Bildungssystem einen wichtigen Eckpfeiler unserer produzierenden Wirtschaft darstellt. Die Ausbildung und Weiterbildung von jungen Menschen ist gerade für unsere Branche, in der Mensch und Maschine ein starkes Team bilden müssen, enorm wichtig. Wir wollen unsere Anstrengungen im Lehrstellen- und Berufsmarketing deshalb vorantreiben, um den jungen Leuten zu zeigen, dass sie Theorie und Praxis verbinden können und zusätzlich über hervorragende Weiterbildungsmöglichkeiten verfügen.

Auf der anderen Seite wandern Schweizer Unternehmen in Billiglohnländer ab, die kein gleichwertiges Duales Bildungs-System haben, um dort zu produzieren. Scheinbar produziert sich auch mit weniger gut ausgebildetem Personal ausgezeichnet. Können Sie diesen Widerspruch erklären?

O. Müller: Wir sprechen in der Schweiz von Fachkräften. Ich behaupte schlicht und einfach, dass in Billiglohnländern nicht in der Breite dieselbe Qualität entstehen kann, wie in einer der unzähligen Werkstätten in unserem Land, wo Innovation entsteht und Qualität gelebt wird. Dort, wo die Fachkraft das Handwerk von Grund auf lernt. Die Erfolge der Schweizer Delegation an den Berufsweltmeisterschaften in Leipzig bestätigt die Qualität unserer Ausbildung und stimmt mich zuversichtlich, dass wir auch künftig gegen die internationale Konkurrenz bestehen können.

Gibt es bei Ihren Mitgliedsfirmen ebenfalls Tendenzen, vermehrt im Ausland zu produzieren?

O. Müller: Der Löwenanteil unserer Mitglieder sind KMU. Das heisst, dass die Wertschöpfung grossmehrheitlich in der Schweiz erbracht wird. Es sind kleinere und mittlere Betriebe, die auf die hiesigen Rahmenbedingungen angewiesen sind und beim Einkauf nicht auf ihre Tochtergesellschaften im Ausland zählen können oder über Ressourcen und Mittel verfügen, sich im Ausland ein Standbein aufzubauen. Die KMU-MEM-Branche ist gelebte «Swissness». Aus unternehmerischer Sicht ist es nachvollziehbar, dass Überlegungen angestellt werden, teils im Ausland produzieren zu lassen oder eine eigene Organisation aufzubauen. Hier wären wir wieder beim Thema Fachkräfte. Um die qualitativen Anforderungen zu erfüllen, braucht es Fachkräfte und die findet man unter anderem in der Schweiz.

Während meiner Recherchen zu dieser Ausgabe Schweizer Qualitäts-Zulieferer sind unter anderem folgende Aspekte bei den verarbeitenden Unternehmen aufgefallen. Sehr hoher Qualitätsanspruch, anspruchsvollste Bearbeitungsaufgaben, bemerkenswert hoher Automationsgrad und Beherrschung von zum Teil komplexester Fertigungs-Systeme. Sind das Punkte, die mehr oder weniger selbstverständlich sein müssen, um in der Schweiz auch in Zukunft erfolgreich zu agieren?

O. Müller: Wer diese Attribute nicht verinnerlicht, hat es schwer, im Markt zu bestehen, und dies wird sich künftig noch verstärken.

Ein Zulieferer sagte mir gegenüber, er rechne damit, dass 30 % der Schweizer Zuliefer-Unternehmen in den nächsten fünf Jahren vom Markt verschwinden werden, weil sie technologisch zu weit abgefallen sind. Wie schätzen Sie die Situation des Marktes ein?

O. Müller: Ob die Zahl von 30 % richtig ist, darüber kann man streiten. Sicher ist aber, dass wer nicht investieren kann, um technologisch am Ball zu bleiben, der wird den Anschluss verlieren. Da viele Firmen aufgrund der aktuellen Situation grosse Mühe haben, die Erträge zu generieren, welche notwendige Investitionen ermöglichen, wird es für sie kritisch und für einige kann das leider das Aus bedeuten.

Sie sagten gegenüber dem Schweizer Arbeitgeber 3/2013, wichtig sei, dass Swissmechanic den Firmen Hilfestellungen gewähre, etwa beim Technologietransfer zwischen Mitgliederunternehmen. Sind Unternehmen offen für Technologietransfers? Technologie-Knowhow und Wissensvorsprung gegenüber den Mitbewerbern stellt doch das eigentliche wirtschaftliche Fundament dar.

O. Müller: Sie sprechen hier einen kritischen Punkt an. Um Schiller zu zitieren: «Vereint sind auch die Schwachen mächtig.» Dieses Motto müssen die KMU wieder für sich entdecken. «Eigenbrötlerei» und Abschottung sind schlechte Voraussetzungen, um in der schnelllebigen, globalen Welt zu bestehen. Als Verband möchten wir deshalb Foren schaffen, in denen auf Schweizerischer Ebene ein Austausch stattfinden kann. Wir möchten auch dazu auffordern, sich über die Landesgrenzen hinaus für Märkte und Technologien zu interessieren. Denn manche Idee, die ausserhalb unseres Landes entsteht, kann, versehen mit Schweizer Tugenden, erfolgreich umgesetzt werden.

Zuletzt ein Blick in die Zukunft. Wie steht es um den Werkplatz Schweiz in zehn Jahren?

O. Müller: Für den Werkplatz Schweiz würde ich das Motto «kleiner, aber feiner» setzen. Der Trend, dass der sekundäre Sektor kleiner wird, wird in den kommenden Jahren sicherlich anhalten. Die Player, die sich behaupten können, haben sich global als Qualitäts- und Technologie-Leader etabliert, andere müssen sich im lokalen Markt durch optimale Leistung in Reaktionszeit und Flexibilität die Standortvorteile vermehrt zu Nutzen machen. In jedem Fall sind Innovation und Knowhow auf höchstem Niveau Voraussetzung, um bestehen zu können. Der Staat muss sich in der Regulierung und Intervention zurückhalten. Er muss verlässliche Rahmenbedingungen gewährleisten und mit Bildung und Forschung die Rohstoffe für unseren Werkplatz zur Verfügung stellen. So kann er den Unternehmen und Unternehmern Spielraum und Perspektive geben, damit weiter in den Werkplatz investiert wird. <<

Das Interview führte Matthias Böhm, Publisher und Chefredaktor SMM

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