Reibungslos aufwärts 100 Prozent Swiss- Made-Gewindetriebe

Rédacteur: Luca Meister

Qualitativ hochwertige Kugelumlaufspindeln und Gleitspindeln – per Kaltumformung hergestellt – sind die Kernkompetenz der Eichenberger Gewinde AG (EAG). Die weitere Stärke des Aargauer Unternehmens liegt in der kundenspezifischen Entwicklung von Spezial-Kugelgewindetrieben. Damit hebt sich der Gewindespezialist auch im Ausland von der Konkurrenz deutlich ab.

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(Bild: SMM)

Die Spindeltriebe der Eichenberger Gewinde AG kommen in den unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz: von der Lastwagenkupplung über das Spitalbett bis zur Sockenstrickmaschine – grundsätzlich überall, wo etwas bewegt werden muss. Die gerollten Gewinde sind in vier Produktelinien und in verschiedenen Dimensionen (von 4 bis 40 Millimeter) erhältlich. Als Lohnarbeit können Stangen von über 100 Millimeter Durchmesser kaltumgeformt werden (z.B. zertifizierte Spezialgewindebolzen, die höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen).

1953 als Lohnfertiger gegründet, 1988 mit der eigenen Herstellung von Kugelspindeln begonnen, beträgt der Anteil an Eigenprodukten mittlerweile über 90 Prozent. Die 120 Mitarbeiter beschäftigende Eichenberger Gewinde AG gilt nicht nur in der Schweiz als erster Ansprechpartner, wenn es um qualitativ hochwertige Gewindetriebe geht. Der Bezug des neuen Bürogebäudes 2012 zeigt, dass am Standort Burg festgehalten wird.

Perfektionierter Kaltumformprozess

Die Kernkompetenz der EAG liegt im Kaltumformen. Insgesamt stehen in der Produktion acht Gewinderollmaschinen (drei CNC-gesteuert) im Einsatz. Geschäftsführer Kurt Husistein erklärt: «Unser Fachwissen im Gewinderollen ist entscheidend. Damit können wir uns auf dem internationalen Markt von unseren Konkurrenten abheben.» Das Know-how liegt u. a. darin, den Kaltumformprozess – die meisten Kugelgewindetriebe werden aus Wälzlagerstahl (1.3505 / 100Cr6) hergestellt – gezielt zu beeinflussen. Die Steilgewindespindeln werden fast ausnahmslos aus Edelstahl gefertigt. Einer der stärksten Vorteile des Kaltumformens gegenüber dem spanenden Verfahren ist, dass die Faserverläufe des Materials nicht zerstört werden, was sich positiv auf die Festigkeitseigenschaften auswirkt. Die EAG hat den Kaltumformprozess derart perfektioniert, dass in den meisten Fällen kein Richtprozess mehr nötig ist. (Der Rollvorgang erhöht die Festigkeit in der Regel um 30 Prozent, bei Edelstählen teils noch mehr.)

Spannungen im Griff

Eine Spezialkompetenz der EAG ist der Bestand ihrer Gewinderollwerkzeuge, die zum Teil im eigenen Haus hergestellt werden. Diese weisen z. B. spezielle Einlaufpartien auf, damit die Spindeln möglichst sanft geformt werden und beim nachfolgenden Härten weniger Spannungen freigesetzt werden. Nach dem Härten tritt Verzug auf. Auf einer speziell auf die Anforderungen der EAG entwickelten Richtmaschine werden die Gewindestangen perfekt «ins Lot» gebracht.

Mit dem Kauf einer neuen Induktionshärteanlage wurde ein strategischer Schritt gemacht, um den Härteprozess in das eigene Haus zu integrieren. Zuvor mussten die Gewindespindeln jeweils auswärts gegeben werden, was enorm Zeit und logistischen Aufwand in Anspruch genommen hatte.

Spezialentwicklungen

Dank ihrem fundierten Fachwissen, kann die EAG schon in den Entwicklungsprozessen der Spindeln schnell agieren: Nach 60 Jahren Aufbauarbeit hat man heute für fast alle Anforderungen eine platzsparende und elegante Lösung. K. Husistein sagt: «Wir sind in der Lage, innert weniger Wochen einen kompletten Kugelgewindetrieb zu entwickeln, herzustellen und zu liefern. Das erweist sich als grosser Vorteil. So schnell sind andere, vor allem grössere Konkurrenten, nicht – u. a. aufgrund ihrer Unternehmensstruktur.»

Die Eichenberger-Entwickler erarbeiten gemeinsam mit den Konstrukteuren ihrer Kunden zukunftsorientierte Antriebslösungen. Je nach Belastung, Positioniergenauigkeit, Schnelligkeit (pro Umdrehung können Wege von bis zu 200 Millimeter erreicht werden) usw. werden die Spindeltriebe nach den verlangten Charakteristiken dimensioniert. Dies können Spezialgewinde mit Sonderprofil sein, mehrgängige Gewinde mit bis zu sechsmal so grossen Steigungen wie der Durchmesser, ein- und mehrgängige Schnecken, Kerbverzahnungen, Gewinde auf unförmigen Teilen oder konische Gewinde (ausserdem stehen Rändelungen im Angebot). Dabei werden verschiedene Arten von Muttern, aus Kunststoff oder Bronze, oft kundenspezifisch entwickelt.

Hochdynamisch

Für die Aufträge aus der Automobilindustrie wurde 2004 die Eichenberger Motion AG gegründet. Die Schwestergesellschaft liefert spezifisch für Autozulieferer komplette Kugelgewindetriebe mit extrem hohem Wirkungsgrad, die beispielsweise die Kupplungshydraulik von Lastwagen betätigen oder bei automatischen Schaltgetrieben den Gang einlegen.

Mit langjährigem Fachwissen, flexiblen und speditiven Prozessen von der Entwurfsphase bis zur Montage schafft es die Eichenberger Gewinde AG, sich als verhältnismässig kleiner Zulieferer gegen grössere Konkurrenten durchzusetzen – sogar im Automobilbereich.

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